G A L E R I E    K A R I N    S A C H S
 
 
 
HENRIK SCHRAT
"Orangerie bei Nacht"

  12. Januar  –  17. Februar 2017


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Schrat arbeitet mit verschiedenen Formen visuellen Erzählens. Er greift dabei gern auf populäre Geschichten zurück von Märchen bis zu Starship Enterprise, um sie als Metapher für zeitgenössische Fragen einzusetzen. Dabei eintstehen komplexe und doppelbödige Erzählungen die gern humorvoll sind, auf den zweiten Blick jedoch bissig werden können. 
Besonderes Interesse hat Schrat ökonomischen Zusammenhängen entgegengebracht, die er als kulturelles Material begreift, das vom Künstler anverwandelt werden muss, um sich nicht in die Rolle des Kapitalismus–Opfers zu begeben. 

Neben illustrationsahen Formen und Grapic Novels sind großformatige Wandbilder ein Hauptbereich seines Werkes. Die Wandbilder sind durchgängig als Silhouetten ausgeführt, und zitieren damit eine historisierende Form, die zeitgenössisch aufgeladen wird. (z.B. Milch & Honig, Casino des Jakob Kaiser Hauses im Deutschen Bundestag, 2004; 'Im Orbit des Mars...', HMKV Dortmund, 2015)
 

Einer vergleichbaren Mechanik entspringen Werkzyklen, die in traditionellen Handwerkstechniken und Bildformaten ausgeführt werden, und mit deren starker kultureller Konnotation arbeiten. 
So sind z.B Intarsienarbeiten entstanden, deren extrem langsame und nicht reproduzierbare Herstellung Schrat als subversiv begreift. Mehrere Zyklen sind in Zusammenarbeit mit indischen Intarsienschneidern entstanden, so die 92 teilige Arbeit 'Outsourcing' (2008) die sich im Besitz der Berlinischen Galerie befindet.


Der Zyklus 'Orangerie bei Nacht' (2016) greift erneut auf asiatische Tuschmalerei zurück, um eine science-fiction Erzählung im Bildrollenformat zu entfalten.

80 Tuschzeichnungen in Größen von 50 x 20 cm bis 100 x140 cm sind in Stoffe eingefasst und als Bildrollen verarbeitet. Mit ihren teilweise konischen Formaten und silbernen Textilien könnten sie der ethnografischen Sammlung des Raumschiff Enterprise entsprungen sein, das sie auf seinen Reisen in den 'unendlichen Weiten' des Weltraums erworben hat. Die entspannten Pinselzeichnungen entfalten sich zwischen winzigen Details und großzügig lavierten Flächen.

Beim Betrachten erschließt sich aus den Arbeiten eine Art Kolonialgeschichte, die auf dem fiktiven Planeten Tonder spielt. Großäugigen Wesen, die das Kindchenschema aktivieren, bekommen Besuch von vierarmigen Raupen, die Neuerungen mitbringen.

Zentrale Rolle spielen dabei Orangerien, die als Symbol von Schönheit und Macht fungieren könnten. Aber auch die arbeitsamen Raupen sind nur Sendboten eines Masterminds... Die Arbeiten ergeben keine lineare Erzählung, sondern weben ein Patchwork aus Situationen.

Die Serie kann als klassische Gesellschaftsparabel verstanden werden, die mit freundlichen Wesenheiten, Pünktchenmuster und rosa Stoffen Begriffe wie Naivität und Kultur verhandelt.

Aber wie auch Fabeln nur begrenzt als Geschichten für Kinder taugen, öffnen sich in 'Orangerie bei Nacht' reichlich aktuelle Tiefen und Untiefen.


Zur Ausstellung erscheint ein Katalog

 



HENRIK SCHRAT
"Orangerie at Night"

  12 January  –  17 February 2017

Around 80 ink drawings ranging in size from 50 x 20 cm to 100 x 140 cm are framed with cloth and displayed as scrolls. With their partially conical shape and silver materials, they could have escaped from the ethnographic collection of the Starship Enterprise, acquired on its travels through the ‘infinite expanses’ of space. The relaxed brush drawings unfurl themselves with tiny details and generously lavished surfaces.

The work reveals a kind of colonial history, which takes place on the fictional planet Tonder. Large-eyed beings, with childlike characteristics, are visited by four-armed caterpillars, bringing their inventions.

The central role is played by orangeries, which act as a symbol of beauty and power. But even the working caterpillars are only messengers for a greater mastermind... The works don’t have a linear narrative, but weave together a patchwork of stories.

The series can be understood as a classic societal parable, which uses friendly creatures, polka dots and pink fabrics to deal with concepts such as naivety and culture.

But just as fables are not just stories for children, the ‘Orangery By Night’ is abundant in depths and shallows.
 

A Catalogue will be available